'allo attac-kritiker.

Hier eine lose emailsammlung.





14.03.2006 19:49

Liebe Freundinnen und Freunde "auf dem Campus"!

Ich wundere mich schon sehr über Euer Verständnis vom S t u d i u m, von
Uni usw., bzw.von den für wichtig erachteten Fragen in der
gesellschaftlichen und ökologischen Situation, in der wir uns alle
befinden!!!!!

Bitte bedenkt, worum es eigentlich ging: Wir wollten nur hinweisen auf
eine Aktivität von Gerold Schwarz, der auch den Zusammenhang von
Ökonomie und Ökologie bei allen attac-Themen für wichtig hält!!!!
Dabei wurde auch die uni-Liste angewählt, weil wir kritischen Leuten an
der Uni sehr viel zutrauen!

Woher nehmen einige Leute die Gewißheit, genau zu wissen, welche Themen
auf welche Listen gehören und welche Überschneidungen mit anderen
Listen es nicht geben darf???
Zusammenhänge, die einigen nicht passen, müssen halt verboten (notfalls
"wegmoderiert") werden?????
Eine andere Welt ist möglich????????????????????????????????????????
?????????????????????????????????????????????????????????????????????


Freundliche Grüße

Jürgen Kruse
für die
attac-Gruppe Wendland
14.3.06
www.attac.de/wendland
T.: 05864-986 422



-------------------------aus einem Schreiben in diesem Zusammenhang:

Es geht aber nicht darum, das Atomthema nach vorn zu bringen, sondern um
die immer wieder bei attac-Aktivitäten, Verlautbarungen etc.
fehlende ökologische Perspektive und den unabdingbar notwendigen
Zusammenhang von Ökologie und Ökonomie!!!
Darauf machen wir nicht nur im Zusammenhang mit Atomprotesten immer
wieder aufmerksam. Denn der Widerstand richtet sich
gegen die mächtigsten Konzerne in diesem Staat und in Europa, die Ver-
und Entsorger, die Energiekonzerne u.a. (die gleichzeitig auch die
Atommafia darstellen!)!

Doch leider gibt
es einige Leute, die immer gleich mit der Zensurkeule drohen!

Außerdem entschuldigt das nicht ignorantes Verhalten, Verschwinden bzw.
Nicht-Weiterleiten von Texten etc. -ggf. mit dem Hinweis auf thematisch
nicht ganz saubere Zuordnung!!!
J. Kruse

------------------------------------------------------------------

Bitte moderier ihn doch weg...
Grüße,
Christiane
---------------------------------------

Philipp Jacks wrote:

>Hallo liebe Uni-Liste,
>
>da Jürgen, der noch nie bei attac Campus mitgearbeitet hat, ja nun immer
>öfter Mails über diese Liste verteilt, die nicht wirklich was mit Uni zu
>tun haben (andererseits dies ja auch keine thematisch geschlossene Liste
>ist), möchte ich euch fragen, ob ihr sie weiterhin haben wollt, oder ob
>ich ihn auf moderiert setzen soll.
>
>Moderatorische Grüße,
>Philipp
>
>-----------------------------------------------------------------------------------
Ich lese mir das gerne durch!

Vielleicht verstehen so ja ein paar Leute, dass es
durchaus wichtig ist, Ökologie und Ökonomie und
soziale Kämpfe gemeinsam anzugehen. So viele Mails
schreibt er auch wieder nicht, da gibt es ganz andere
Kaliber, die immer wieder was über die Liste schicken!

Also Bitte nicht wegmoderieren-

Grüßle

Christoph
---------------------------------------------------------------------------------------
@Phillip & Alle:
Ich würde mich sehr freuen, wenn Jürgen Kruse auf moderiert gesetzt
werden könnte. Und zwar aus folgenden Gründen:
1. Er verteilt gleichlautende Mails über viele Attac-Listen, durch
dieses Crossposting bekommen wahrscheinlich viele seine Mails doppelt,
dreifach und mehr.
2. Es gibt Attac-Listen in die diese Mails thematisch sehr gut passen,
interessierte werden sie dort finden und auch beachten. Sie zusätzlich
vor allem in dieser geballten Ladung auf die Uniliste loszulassen trägt
nichts zur Aufmerksamkeit bei.
3. Sein STIL _ist_ SEHR AGRESSIV !!!!!!!!und
____AUFDRInGlIcH___!!!!!!!!!! Ich habe den Eindruck, Jürgen würde Leute
gern mit Emails zwingen seiner Meinung zu sein und zu tun was er für
richtig hält. Schon aus diesem Grund hätte ich wahrscheinlich auch gar
keine Lust mit ihm an Aktionen im Real Life teilzunehmen.

@ Jürgen:
Na klar ist Umweltpolitik wichtig. Aber die Art wie Du Aktionen
bewirbst, hilft deiner Sache, die ja tatsächlich eine gute und
ehrenwerte ist, nicht wirklich. Nur weil deine Mails auf AttacUni nicht
die gewünschte Resonanz haben, heisst das ja nicht gleich, dass uns
allen Umweltpolitik am Gesäß vorbeigeht. Nur, vielleicht sind wir schon
in lokale zusammenhänge eingebettet in denen wir aktiv sind, haben grade
auch andere Schwerpunkte oder sind vielleicht in einigen Punkten
tatsächlich anderer Meinung. Vielleicht wäre es hilfreich, mal mit den
anderen Leuten in deinen lokalen Zusammenhängen darüber zu reden, wie
deine Öffentlichkeitsarbeit effektiver und attraktiver werden kann.
Vielleicht kann Dir auch eine behutsame Moderation (und da hab ich
vollstes Vertrauen in unseren Mod) helfen einen besseren Stil zu finden
und letztendlich alle Beteiligten zu einem besseren Verständnis
füreinander bringen.

Peace und nix für ungut,

Roman
--------------------------------------------------------------------------------



Es geht aber auch anders:

------------------------------- Wir haben uns bei Adolf bedankt für sein
konstruktives Angebot und hoffen es nutzen zu können!:



Hallo Jürgen,

solche Aufforderungen sind ja immer schön, sie sollten aber auch
Umsetzung finden.
Ich schlage vor, daß Du/Ihr einen Workshop auf dem nächsten Ratschlag dazu
anbietet. Im Anhang der Aufruf zur Mitarbeit, der demnächst über die
Listen geht.
Anmeldungen kannst Du auch über mich machen.

mit solidarischen Grüßen

Adolf Riekenberg
IMI-Beirat
AG Globalisierung und Krieg
Attac-Schorndorf
Nußbaumstr. 7
73553 Alfdorf
Telf.: 07182-49112
mobil: 0175-4254928
E-Mail: buero@schweissen-sfi.de
E-Mail: info@eu-verfassung.com
http://www.eu-verfassung.com
http://www.eu-verfassung.com/
Globalisierung und Krieg: http://www.attac.de/globkrieg/


---------------------------------------------------------------------------------------------------------------------aber,




worum geht es eigentlich?
>
>Jürgen Kruse schrieb:
>
>
>>Liebe Freundinnen und Freunde,
>>
>>wir schreiben uns schon lange die Finger wund, _*um endlich bei attac
>>ein vernetztes Denken, eine Verzahnung von Ökologie und Ökonomie zu
>>erreichen*_!
>>Leider sind unsere Aktionsvorschläge, Termine etc. in dieser Sache
>>häufig in der attac-Zentrale in Frankfurt einfach "verschwunden",
>>zumindest aber nicht im Internet (z.B. in der Terminliste!) eingestellt
>>worden und viele mails sind nicht weitergeleitet worden.
>>
>>Wir halten die von Gerold Schwarz angeregte _*immanente Berücksichtigung
>>der ökologischen Auswirkungen neoliberaler Politik*_ -vor allem bei der
>>Formulierung gemeinsamer europäischer
>>Forderungen und Strategien durch die attac-Gruppen!- für lange
>>überfällig!!!!!
>>Der französische Atomwiderstand sollte sich nicht nur mit attac, sondern
>>_*auch mit den deutschen Anti-Atom-Initiativen eng vernetzen!*_
>>
>>In diesem Zusammenhang -Proteste gegen EPR-Reaktor und WAA La Hague-
>>bitte ich noch einmal darum, _*auch über attac*_ für eine Teilnahme an
>>der internationalen Demo und Kundgebung in Cherbourg am 15. und 16.
>>April 2006 _zu mobilisieren_!!! Wir wollen vom Wendland aus dort auch
>>teilnehmen und unbedingt (mit französischen Atomkraftgegnern) _*und
>>mit attac-Gruppen Kontakt
>>haben*_ und bitten hiermit um _*Vermittlung entsprechender Kontakte*_
>>(falls möglich, zu Gruppen in der Nähe von Cherbourg!)!
>>Siehe dazu: www.castor.de, www.bi-luechow-dannenberg.de,
>>www.stop-epr.org!!!!!!!!
>>
>>Freundliche Grüße
>>
>>Jürgen Kruse
>>Zieleitz 7
>>29479 Jameln
>>T.: 05864 - 986 422
>>wendanix@t-online.de
>>*www.attac.de/wendland
>>13.3.06
>>*---------------------------------------------------------------------------------------------------
>>
>>Hallo alle zusammen,
>>
>>ich war letzte Woche auf einer Art "Vortragsreise" in der Normandie.
>>Vorrangig ging es dort eigentlich um Bolkestein, und was wir in D
>>dagegen machen wollen. Da aber Pierre Khalfa von attac F/Solidaires
>>ebenfalls daran teilnahm und aus seinem wirklich umfassenden
>>Wissensschatz referieren konnte, blieb da für mich eher wenig übrig, was
>>ich noch beitragen konnte. Dies war auch deshalb gar nicht so schlecht,
>>weil sich die frz. Freunde tatsächlich stärker für die gegenwärtigen
>>allgemeinen Entwicklungen in D interessierten als für die speziellen
>>Vorgänge rund um Bolkestein.
>>
>>Dieses Interesse hat insbesondere mit den gegenwärtigen
>>Auseinandersetzungen um den sog. "contrat premier embauche" zu tun, also
>>den "Ersteinstellungsvertrag", auch "CPE" genannt. Durch diese Änderung
>>des Arbeitsrechts fällt der Kündigungsschutz für neuangestellte
>>Arbeitnehmer unter 26 Jahren weg, da sie 2 Jahre lang ohne Angabe von
>>Gründen einfach so gefeuert werden können. Als wäre das nicht schon
>>genug Provokation, versucht die frz. Regierung, in einer Art "Putsch
>>gegen die eigenen Bevölkerung", das Gesetz hierüber unter Umgehung des
>>Parlaments in einer Art "Gesetzgebungsnotstand" (Art. 49-3 der frz.
>>Verfassung) durchdrücken wird, und ihn in Anlehnung an den
>>Gesetzgebungsnotstand der dt. Verfsasung (Art. 81 GG) als
>>Regierungserlass umsetzt. In D ist hierüber immerhin eine gescheiterte
>>Vertrauenserklärung erforderlich. In Frankreich wurde dieses Instrument
>>nach meinem Informationsstand das letzte Mal 1968 zur Unterdrückung der
>>Studentenproteste eingesetzt. Ich nahm in Rouen, zusammen übrigens mit
>>dem EU-verfassungskritischen Sozialisten Laurent Fabius, an einer der
>>lebhaften frz. Demos gegen den "CPE" teil, die frankreichweit insg.
>>zwischen 700.000 und 1 Mio. Demonstranten mobilisieren konnten.
>>
>>In Deutschland findet derzeit eine ähnliche Diskussion statt, bei der es
>>allerdings um die vollständige Schleifung des Kündigungsschutzes für
>>neue Arbeitsverträge geht. Ich kann mir aber vorstellen, dass am Ende
>>des Verhandlungsprozesses ebenfalls eine auf junge Arbeitnehmer
>>beschränkte Aushebelung des Kündigungsschutzes herauskommt, was dann
>>exakt parallel zu den Entwicklungen in F wäre. Darauf weist auch
>>Dorothea Hahn in ihrem heutigen Beitrag in der taz hin. Dorothea Hahns
>>Artikel unterscheiden sich wohltuend von den scharfmacherischen
>>Wortstanzen Daniela Weingärtners, die ansonsten aus Brüssel und Paris
>>für die taz berichtet. Ich habe den Artikel unten angehängt ( Quelle:
>>http://www.taz.de/pt/2006/03/13/a0206.1/text )
>>
>>Aufgrund dieser Einschätzung habe ich bei meinem Vortrag vorgeschlagen,
>>das Thema Sozialkahlschlag ("casse sociale") wie schon zu Zeiten der dt.
>>Montagsdemos, wieder zur europäischen Vernetzung des Widerstands zu
>>benutzen. Problematisch dabei ist allerdings, dass die Akteure auf dt.
>>Seite derzeit eigentlich anderweitig beschäftigt sind. Die
>>Gewerkschaften z. B. befinden sich in einem fast schon existentiellen
>>Abwehrkampf anlässlich der Arbeitszeitverlängerung im öffentlichen
>>Dienst, und die Studentenverbände lecken noch ihre Wunden aus den
>>Auseinandersetzungen um Studiengebühren. Ich werde dennoch versuchen,
>>hier einige Fäden zusammen zu bringen. Über jegliche Mithilfe würde ich
>>mich sehr freuen. Wenn also jemand Interesse hat, frz. Studenten oder
>>Attac- oder Gewerkschafts-Aktivisten einzuladen, um über die empörenden
>>Vorgänge in Frankreich zu berichten, dann helfe ich da gerne weiter.
>>Umgekehrt freuen sich die frz. Gruppen sehr darüber, wenn jemand aus D
>>über die Streiks im öffentlichen Dienst, die Rentenkürzung durch
>>Lebens-Arbeitszeitverlängerung, die Kürzung der H. IV-Bezüge für
>>Arbeitslose unter 26 bei Unterbringung außerhalb von "Hotel Mama" oder
>>eben die Diskussionen über die Schleifung des Kündigungsschutzes
>>berichten würden. Auch hier vermittle ich gerne weiter.
>>
>>_*Daneben war ich noch zu einer Vorbereitungsversammlung frz.
>>Atomkraftgegner (JA, sowas gibt es!!!) eingeladen. Ich hatte schon die
>>ganze Zeit das Gefühl, dass uns unsere konsequente Ausblendung
>>ökologischer Fragen irgendwann auf die Füße fallen wird, und nun ist es
>>soweit. Wenngleich in D derzeit über die Laufzeitverlängerung diskutiert
>>wird, steht doch außer Frage, dass ein Reaktorneubau hierzulande
>>aufgrund der massiven Ablehnung nicht in Frage kommt. Da nun aber der
>>EURATOM-Vertrag die Subventionsmilliarden weiterhin exzessiv sprudeln
>>lässt (die Atomsubventionen übersteigen die addierten Beihilfen
>>sämtlicher anderer Energieformen!!!) und für Firmen wie Siemens einfach
>>zu viel zu holen ist, als dass man sich die fette Beute entgehen lässt,
>>muss der "Europäische Druckwasser-Reaktor nun halt in Cherbourg in der
>>Normandie gebaut. werden. Ich habe den versammelten "Anti-Nucléaires"
>>deshalb erklärt, dass es sich auch bei ihrem Anliegen um ein
>>europäisiertes Politikfeld handelt, und sie mit einem rein regional
>>ausgerichteten Widerstand daher nur geringe Aussichten auf Erfolg haben
>>dürften. Unsere frz. Atomkraft-Gegner würden sich deshalb sehr freuen,
>>wenn sie aus von ihrem widerstandserprobten Nachbarn Unterstützung
>>erhielten, und ich möchte auf diesem Weg dazu anregen sich
>>
>>1.) zukünftig auch über die ökologischen Auswirkungen neoliberaler
>>Politik mehr Gedanken zu machen, und
>>2.) nach Möglichkeit auch in diesem Politikfeld auf europäischer Ebene
>>zu engagieren.
>>
>>Die Koordinatoren des frz. nationalen Nuklearwiderstands haben sich nun
>>mit der Bitte um Hilfe an mich gewandt und ich geben deren Daten gerne
>>weiter.
>>*_
>>Mit herzlichen Grüße wieder aus Hamburg
>>
>>Gerold
>>=========
>>
>>
>> DIE FRANZÖSISCHEN PROTESTE GEGEN SOZIALABBAU GEHEN GANZ EUROPA AN
>>
>>
>> Die Sorbonne ist nur der Anfang
>>
>>Barrikaden, Hörsaalbesetzungen und eine Stürmung der Sorbonne durch
>>Gendarmerie und CRS - das hat es seit dem legendären Pariser Mai 68
>>nicht mehr gegeben. Am Wochenende sind in Paris Dinge geschehen, die
>>Symbolwert haben.
>>
>>Die Bewegung der StudentInnen, die mehr als die Hälfte der 84
>>Universitäten Frankreichs erfasst hat, könnte eine Wende in der
>>aktuellen innenpolitischen französischen Lage markieren. Vordergründig
>>richten sich die Proteste gegen das "CPE" - den "ersten Arbeitsvertrag".
>>Wer unter 25 Jahre alt ist, kann danach in den ersten beiden Jahren in
>>einem neuen Job täglich und ohne Begründung entlassen werden. Die rechte
>>Regierung behauptet, so die Arbeitslosigkeit bekämpfen zu wollen. Die
>>französische Linke sieht das "CPE" als Geschenk an die UnternehmerInnen.
>>Es erschwere den Jugendlichen nur den Einstieg ins Berufsleben. Als habe
>>er Öl ins Feuer schütten wollen, setzte Premierminister Dominique de
>>Villepin das Gesetz per Dekret in Kraft - ohne weitere Debatte und
>>Abstimmung. Das ist zwar verfassungskonform, aber voller Verachtung für
>>die gewählten Abgeordneten. Natürlich gibt es besondere französische
>>Umstände: eine hohe und lang anhaltende Jugendarbeitslosigkeit. Mehrere
>>im Hauruckverfahren durchgeführte unpopuläre "soziale" Gesetze. Und -
>>vor allem - die Präsidentschaftswahlen im kommenden Jahr, die längst
>>alles politische Handeln überschatten. Vorwahlkampfzeiten in Frankreich
>>sind Zeiten, in denen relativ kleine Anlässe gelegentlich zu großen
>>Effekten führen.
>>
>>Dennoch sollten sich die Regierungen der Nachbarländer keineswegs in
>>Sicherheit wiegen. Denn die Proteste in Frankreich richten sich gegen
>>ein Phänomen, das in der ganzen EU grassiert: den gesetzlich
>>organisierten Abbau sozialer Sicherheit für die Beschäftigten bei
>>gleichzeitigen Rekordgewinnen der großen Unternehmen. Mit dieser Politik
>>ist die rechte Pariser Regierung in großer europäischer Gesellschaft.
>>Gerade deswegen könnte jenseits der französischen Grenzen auch das
>>Beispiel der Jugendlichen Schule machen.
>>
>>DOROTHEA HAHN
>>
>>taz vom 13.3.2006, S. 11, 46 Z. (Kommentar), DOROTHEA HAHN
>>
>>

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23.05.2006 06:28

Hallo,

der Ratschlag in Braunschweig und die erste darauf folgende Ratssitzung
sind vorbei; die Wogen zumindest oberflächlich geglättet. Zeit also für

eine - persönliche - Stellungnahme zu einem Teil der Finanzdebatte, wie
er über die Liste gruppendiskusssion geführt worden war:

Die in formaler Hinsicht überwiegend durchaus korrekten Erwiderungen aus
dem KoKreis auf Vorhaltungen von Michael Kraus gingen meinem Eindruck
nach dennnoch allesamt in orwell'scher Neusprech-Manier am Kern des
Problems vorbei, und dieses Problem heißt "politisch motivierte
Machtkämpfe".

Diese Auseinandersetzungen sind quer durch Attac zu beobachten und
scheinen u.a. mit dem soziologischen Alter des Netzwerks zu tun zu
haben. Sie finden in zahlreichen Lokalgruppen statt; am deutlichsten
sichtbar und am folgenreichsten für Attac sind sie aber innerhalb des
KoKreises, wo sie seit längerem auch immer wieder diskutiert werden.

Vor einigen Wochen habe ich im KoKreis daher eine sehr zugespitzte
Problembeschreibung zur Diskussion gestellt. Dieser Problembeschreibung
wurde von niemandem widersprochen; sie wird darüber hinaus von einigen
explizit geteilt. Sie lautet so:


> Dieser Kreis hat durch das unterschiedliche Verständnis seiner
> AkteurInnen, was und wozu Attac sei, erstens ein grundsätzliches
> Problem, das sich in fortwährenden, nicht zu übersehenden Machtkämpfen

> niederschlägt. Diese Machtkämpfe werden auch denjenigen aufgezwungen,
> die daran gar nicht interessiert sind.
>
> Er hat zweitens das sich daraus ergebende strukturelle Problem, dass
> in dieser hegemonialen Auseinandersetzung ein unterschiedliches
> Verständnis darüber herrscht, mit welchen Mitteln - machtförmigen
> oder konsensorientierten - diese Auseinandersetzung zu bestreiten sei;
> dies bei je nach politischem Herkunftszusammenhang systematisch
> unterschiedlichen Fertigkeiten in der Anwendung machtförmiger
> Kommunikationsformen bzw. in der Bereitschaft, diese überhaupt
> einsetzen zu wollen.
>
> Dieses ungelöste Problem beginnt mittlerweile, das Projekt Attac
> ernsthaft zu gefährden. "Der KoKreis ist inzwischen Millionen
> Lichtjahre vom übrigen Netzwerk unterwegs" - so lautet die bislang
> unwidersprochene Kurzfassung einer Bestandsaufnahme. Ohne
> Koordinierung, zumal ohne inspirierende Koordinierung, die Attac als
> bundesweit handlungsfähigen Akteur überhaupt erst etabliert, wird
> Attac unweigerlich stagnieren, wenn nicht gar nach und nach zerfallen.
>

Diese Problemlage ist, wie bereits angemerkt, keinesfalls
kokreisspezifisch, sondern auch in Lokalgruppen und in bundesweiten
Arbeitszusammenhängen zu finden, teilweise mit bis in Einzelheiten
identischen Handlungsmustern ganzer - jeweils verschiedener -
Personengruppen. Die Lösungsansätze, die es für solche Problemlagen
gibt, eignen sich dementsprechend prinzipiell auch für alle betroffenen
Gruppen:

* Organisationsentwicklung:
Die jeweils unausgesprochen bzw. undiskutiert für gültig gehaltenen
Sichtweisen darüber, wo Attac steht, was Attac ist, wozu seine
Bestandteile taugen oder auch nicht, werden gezielt einer gemeinsamen
Bearbeitung zugänglich gemacht (dazu gehört auch die "zielführende
Neuausrichtung von Machtstrukturen in Teams").
* Supervision:
Kann z.B. die Teilnehmenden einer Sitzung über unangemessene
Kommunikationsformen aufklären.
* Mediation:
Anzusiedeln in der Mitte zwischen Gerichtsverfahren und therapeutischen
Verfahren; bietet daher die Möglichkeit, einerseits Verhaltensstandards
in einer Gruppe verbindlich (!) zu vereinbaren; dies geschieht
andererseits aber in einem geschützten Raum, der Einsicht in die
Komplexität des jeweiligen Konflikts und in die jeweils eigene
Beteiligung daran ermöglicht.

Darüber hinaus wird es voraussichtlich bei der Sommerakademie einen
mehrtägigen Workshop geben, der u.a. den Impuls eines Vorschlags
(Rotationsprinzip) aus Köln aufnehmen und weiterentwickeln wird. Es
besteht also durchaus Hoffnung, dass wir insgesamt zu mehr als zu einem
bloßen Formelkompromiss oder gar nur Friedhofsruhe kommen werden.

Mit optimistischen Grüßen,
Angelika Shams