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ausgewählte abschnitte aus dem buch "mythos attac"
mit konkreten vorschlägen für die struktur von attac
sowie auszüge aus texten weiterer gruppen, personen usw.


angebote für seminare, vorträge usw.

 

berichte zu kritischen attac-veranstaltungen
von attacke!? - 14.08.2004

 





medien-kultur-schau

bericht von der veranstaltung ‚mythos attac’ mit jörg bergstedt




Buchhandel Info:
Hunderte von Quellen wurden ausgewertet, um einen Blick hinter die Kulissen des Medienstars Attac zu werfen. Es ist das bislang einzige Buch, das die Hintergründe des kometenhaften Aufstiegs der globalisierungskritischen Protestbewegung kritisch beleuchtet.

Ein unbequemes Buch über den Mythos Attac, das scharfe Kritik und Perspektive in einem bietet. Es entstand unter Mitwirkung von Personen aus Basisgruppen, die in den Themenbereichen von Attac oder bei Attac selbst aktiv sind.

Als sich die Friedensbewegung gegen den Irakkrieg und der Protest gegen den Sozialabbau hierzulande formieren, ist Attac-Deutschland von der ersten Minute an deren politisches Sprachrohr. Seit 2003 ist auch die Umweltbewegung auf dem Weg in den sicheren Hafen Attac.

Der Medien-Hype um Attac hat politischen Protesten mehr öffentliche Wahrnehmung gebracht. Konkrete Forderungen wie die Tobin Tax oder das Ende des Irakkrieges sind populär geworden. Fraglich aber bleibt, was durch diese Popularität erreicht wurde. Hat Attac den politischen Protest gestärkt? Oder ist der Aufbau einer professionellen Kampagnen-NGO einer der Gründe, warum in Deutschland vielfältige Basisbewegungen wie in Spanien, Italien und anderen Ländern immer noch fehlen? Sind die großen Demonstrationen gegen Kriege oder Sozialabbau ein Erfolg oder mehr ein Grund dafür, dass konkreter, alltäglicher Widerstand kaum stattfindet? Wer steckt hinter Attac? Wer verfolgte mit der Gründung welche Ziele und wie haben sich diese durch den Erfolg der NGO gewandelt?

Das Buch liefert präzise Informationen über die
Gründung und Entwicklung von Attac, die Ideologie und die Strukturen, die gegenüber konventionellen Verbandsformen bisheriger NGOs eine erhebliche Effizienzsteigerung brachten. Die Analyse fällt sehr kritisch aus und doch stellt das Buch klar, dass Attac ein vielfältiges Projekt ist. Die ideologische Verengung in den Führungskadern verbindet sich mit teilweise kreativ-spritzigen Aktionsmethoden in den Basisgruppen. Die Kritik an Attac ist daher verbunden mit perspektivischen Entwürfen hin zu einer handlungsfähigen, vielfältigen und horizontal vernetzten, offenen Basisbewegung.




Hallo,
es gab drei weitere Attac-Veranstaltungen, die recht unterschiedlich
verlaufen sind. Detailliert will ich gar nciht berichten, aber
vielleicht kurz ... außerdem waren bei allen drei Veranstaltungen auch
Leute da, die hier auf der Liste sind - vielleicht schreiben ja auch
noch andere was.

Osnabrück:
Aus meiner Sicht die netteste der drei Veranstaltungen und ein bisschen
Balsam auf die angekratzte Osna-"Seele" nach dem doch eher laschen
Antirepressions-Trainingswochenende. Recht viele und unterschiedliche
Leute da und in der zweiten Phase recht konzentrierte Debatte um
Organisierungsansätze für offene Räume usw. allgemein und in Osnabrück.

Hamburg:
Einigermaßen voll das Libertäre Zentrum. Die Debatte verlief auch recht
anregt, aber die Beiträge bezogen sich weniger aufeinander und es hatte
auch weniger mit organisatorischen Gegenansätzen von unten zu tun.
Entsprechend löste sich das Ganze am Ende auch auf ohne Kneipenrunde & Co.

Lüneburg:
Das Katastrophenszenario gabs zum Glück gar nicht (irgendwelche
Sprengversuche der Veranstaltung). Vom Rahmen her war was Nettes
überlegt: Netter Raum, Fish Bowl & Co. Aber es gab einen ungewöhnlichen
Verlauf, wobei ich wegen Unkenntnis der handelnden Personen das Ganze
nach wie vor nicht richtig durchschaue. Jedenfalls setzten sich direkt
nach dem Intro ein paar wortgewaltige Männer in die Fish-Bowl-Mitte und
gaben diese Posten weitgehend auch nicht mehr ab. Sie hatten alle klar,
was sie so einbringen wollten - es paßte nur nicht so recht zusammen,
auch wenn wohl alle oder die meisten die ehemalige, inzwischen
aufgelöste Attac-Gruppe Lüneburg bildeten. Der eine wollte aber gleich
über Zinsen reden, der andere wollte Gewalttätige rausschmeißen, jemand
anders fand Sven Giegold jetzt toll, der ja nun nach Frankreich gegangen
ist (Karrierewechsel), was die Ex-Attacies so auslegten, dass die
Attac-Führer also richtig tolle Führer sind, weil sie sich selbst auch
wieder von der Bühne nehmen können. Ausser zwei Personen (ich war aus
der Runde ausgestiegen und hatte nur noch zugeguckt, weil ich keinen
Bock auf den Stil der Debatte hatte) gab es niemanden, der etwas
entgegengehalten hatte. Mein Eindruck war, dass sich dadurch die
Männerrunde etwas hochschaukelte, alles geil zu finden. Die Äußerungen
gingen bis zu "Ich will mal eine Lanze brechen für Populismus" (ich
hatte den bei Attac im Intro kritisiert) oder "Repräsentativität ist
wichtig und gut". Immer wieder gab es absurde Reaktionen auf die Kritik,
z.B. Militanz ist, wenn Leute mit Gewehren auf die Straße gehen. Und
wenn formale Hierarchien abgeschafft werden, entstehen erst die
informellen und das sei dann wie bei der Mafia ... naja, ich war
jedenfalls ziemlich geplättet und hatte auf die Art der Debatte keine
Lust mehr. Nach dem Ende der Diskussion zerfiel der Kreis auch sofort -
nur ganz am Rande fragte mich einer der Attac-Gründer noch, warum ich
Hartmut Heller doof fände. Ich hab ihm dann einige Zitate gemailt. Er
hat darauf nicht weiter reagiert, sondern nur gesagt, dass Heller
inzwischen gestorben sei und er Vorsitzender der dazugehörigen Gruppe,
der Freunde der Naturvölker sei. Für die Veranstaltung ist das
vielleicht nicht wichtig, aber allgemein finde ich es interessant, dass
jemand Attac-Gruppen-Gründer ist, Freiwirtschafts-/Zinstheorieanhänger
und Sympathisant der FdN, wo Hellers Positionen viel vorkamen ... daher
hier mal Zitate von Hartmut Heller (Bericht geht danach noch kurz weiter):

ZITATE HELLER ANFANG
... gibt es keinen klaren Unterschied zwischen der Tierwelt und dem nackten Affen.
... auch die konsequente Linke in Deutschland hatte begriffen, daß das Weltjudentum eine riesige Gefahr für die ganze Welt darstellt.
Fortschritt und Entwicklung sind gemeinsame bösartige Werte der Nazi-Demokraten wie der US-orientierten Demokratenwelt, die ich ablehne und bekämpfe ... wenn ich in diesem Sinne Nazi bin, dann wünschte ich mir viele viele Nazis.
Die nachfolgenden Demokratien nach der Hitlerdemokratie – das versuche ich immer wieder aufzuzeigen – sind sehr viel bösartiger ...
Wichtig ist, daß die Natur – Wildtiere, Wildpflanzen, wilde Menschen – nicht zerstört wird ...
... Perversität „homosexuell“ ...
Naturschutz muß sich gegen den ausbeuterischen und zerstörerischen Zivilisationsmenschen richten und den Naturvolkmenschen in den Schutz völlig integrieren, da dieser Teil der Natur ist.
... klassischen Naturschutzansatz ...: Künstliche Gebiete schaffen, in denen wilde Tiere und Pflanzen, nicht aber wilde Menschen leben dürfen.
... globaler Mischmasch ... (auf Migration und Zivilisation usw. bezogen) Weitere Mail von Hartmut Heller:
Gedanken zur Reise in das Verwaltungsgebilde Kambodscha
Ziel meiner Reise in das Staatsgebilde Kambodscha zu Ende 2001 war es, Spuren der dortigen einstigen Urbevoelkerung, die der negritoiden Rasse angehoerten, zu finden. Konkrete Hinweise habe ich keine gefunden, und wegen der Minengefahr bin ich auch nicht in die Kadamumberge dem einstigen Lebensraum der Pearr, unter denen negritoide Zuege zu finden waren, vorgedrungen.
Ich hatte daher die Gelegenheit, mich mit den nun nicht mehr taetigen roten Khmer zu befassen, die, wie ich festfellte, offenbar unter der armen und der bauerlichen Gesellschaft in Kambodscha trotz aller massiven gegenpropaganda erhebliche Spmpathie besitzen.
Pol Pot und die roten Khmer hatten Vorstellungen und Ziele, die meinen sehr nahe sind.
Sie wollten zurueck zur ausbeutungsfreien Lebensweise, so wie sie ueber Jahrmillionen Menschengeschichte herrschte und auch heute noch vereinzelt unter Naturvoelkern besteht.

Die roten Khmer ware, ebenso wie ich es bin, Feinde der Industrie-und Geldgesellschaft.
1. Sie brachten den parasitaeren Stadtmoloch Pnom Phen zu Fall, indem sie die Einwohnerzahl von mehreren hunderttausend auf unter 30000 reduzierten.
2. Sie erreichten, dass Menschen wieder nur das essen sollten, was sie selbst auch wirklich anbauten und produzierten.
3. Sie vernichteten die Grossindustrie.
4. Sie schafften schiesslich das Geld ab, sodass wieder gerechterer Tauschhandel stattfinden konnte.
5. Sie vernichteten viele der Kloester, Gefaengnisse fuer Kinder-Moenche auf Lebenszeit.
6. Sie liessen das Strassensystem verkommen. Damit verhinderten sie eine Beherrschung, auch die durch sie selbst.
7. Sie demolierten den beruehmten antiken Tempelkomplex Angkor Wat, Symbol und Beweis einer brutalen hierarchischen und naturverachtenden Ausbeutergesellschaft.

Die Durchsetzung dieser Ziele, und dies auch noch in einer sehr kurzen Zeitspanne, brachte selbstverstaendlich ganz gewaltigen Widerstand unter den Anhaengern der zivilisiertn Welt hervor. Insbesondere kam der Widerstand von den Industriezentren der Erde, vor allem aus der US-Killergesellschaft. Von den jetzt ueber 6 Milliarden Menschen duerften mindestens 5 Milliarden schul-und mediengeschaedigt sein und wuerden alle Brutalitaet einzusetzen bereit sein, die friedlichen kleinen Kulturen und der Natur gegenueber aeussertst zerstoererischen domestizierten Welt zu verteidigen.
So waren die roten Khmer gezwungen gewesen, diese Parasiten zu beseitigen. Nun sind die uebriggebliebenen Parasiten wieder zurückgekehrt und können ihr unheilvolles Handwerk weitermachen. Sie sind zurueckgekehrt mit Heerscharen von Missionaren, zumeist aus US-Amerika, die wie die Schmeissfliegen ueber die buddhistische Bevölkerung herfallen. Auch Heerscharen von Entwicklungsagenten sind wiedergekommen, um Strassen und andere Übel an der Natur zu bauen.
Die Masche der US-Killergesellschaft ist es, die ihnen nicht genehmen Systeme so weit als moeglich zu diffamieren, sei es durch Berichte über tatsächlich vorgekommene oder erfundene Vorkommnisse. Einige Beispiele von vielen seien die Diffamierung der deutschen Hitler-Demokratie, die der weitgehend anarchistischen Lebensweise in Somalia, die der angeblichen Toetung von Kleinkindern im Irak, um die US-Killergesellschaft kriegswillig zu stimmen, oder die permanente Diffamierung der Politik Fidel Castros.

In Kambodscha gehören die Killing-Felder zu dem, was touristisch und politisch ausgeschlachtet wird, um das Regime der roten Khmer zu diffamieren. Doch: um wieviel hoeher waeren wohl die Berge der Knochenvon den millionen getoeteter Ureinwohner Nordamerikas? Um wieviel hoeher waeren die Leichenberge der mindestens 800000 durch US-Terror ermordeten Papuas in Westpapua oder die der Millionen ermordeten Hutu? Um wieviel hoeher waeren die Leichenberge der durch Terror der Welthandelsorganisation verursachten mindestens 40 Millionen Hungertotenalljaehrlich, wueden sie auf einen Haufen gestapelt werden?
Es ist zutiefst bedauerlich und beschämend, dass die antiimperialistischen Gesellschaftsschichten in Europa und weltweit den roten Khmer so sehr wenig Aufmerksamkeit geschenkt hatten. Dadurch ist es den Parasiten gelungen, die Erfolge rückgängig zu machen und ihre brutale und zerstörerische macht zurückzuerlangen.

Und noch mehr...
Übrigens, Naturvölker, sind sehr rassistisch, ich auch. Das habe ich in Lüneburg an einem Beispiel klarzumachen versucht. Indianer, Yanomami zum Beispiel, handeln mitunter bis heute noch so: wenn eine ihrer Frauen mit einem Ethno-Europäer, z.B. einem Brasilianer, sexuelle Kontakte hat und vielleicht auch noch von ihm ein Kind bekommt, dann bringen sie Frau und Kind um. Ich denke, daß die Sesselpupser unter Euch Mode- Anarchos dies vehement verurteilen würden, wie es ja auch die Sesselpupser in Lüneburg getan haben. Wir Freunde der Naturvölker, anarchistischer Naturvölker, sollten unsere Freunde in all ihrer andersartigkeit respektieren.

ZITATE HELLER ENDE

Bericht Lüneburg, Forts.:

Ich habe ein paar Zitate gebracht und dann ohne weitere Reaktion
rückgefragt, dass ich eher interessant fände, zu hören, wie mensch
solche Position nicht scheiße finden könne.

Naja. Interessant war noch, dass ein Ex-Attacies in seiner Rede pro
Populismus nciht nur die Vodafone-Kampagne richtig gut fand, sondern als
noch tollere Aktion selbst ein Beispiel schilderte: Auf einem See (u.ä.)
schwammen Flosse mit als Kapitalisten symbolisierten Menschen (Zigarre,
dicker Bauch ...). Drum herum im Wasser vom Untergehen gefährdete
Menschen. Die Flosse trugen die Aufschriften der Steueroasen, die
Menschen Badekappen mit Nationalflaggen. Das arme Deutschland geht unter
wegen den Cayman-Inseln. Mir kommen die Tränen ... da hat aber niemand
mehr eingegriffen - die Pro-Attac-Seite fand die Aktion wohl wirklich
geil und hoffentlich haben sich andere wenigstens ihren Teil gedacht
über diese Aktion.

Soweit. In Lüneburg ging anschließend auch nix mehr - es war auch das
erste mal bei einer Attac-Veranstaltung, dass auch der Büchertisch & Co.
keine Wirkung hatte. Nicht das es entscheidend ist, wenigstens einen
Cent mitzunehmen, sondern irgendwie paßte es in den Verlauf, wo Menschen
aufeinandertrafen, die nicht wirklich miteinander kommunizieren wollten.
Zur Methode Fish-Bowl muss diese auch an dieser Stelle ergänzt werden -
wobei ich glaube, dass es in der Gesamtrunde noch viel katastrophaler
gewesen wäre.




Diesmal verpackt in eine Rezension des Buches "Mythos Attac",
erschienen in der schweizerischen sozialistischen Zeitung Vorwärts.


Jeder hat die Kritiker, die er verdient Matthias Pfeiffer.
Attac ist ein Medienphänomen. Von der übrigen Bewegungslinken wird die Gruppe dabei teilweise kritisch betrachtet.
Das Buch "Mythos Attac" kritisiert den deutschen Ableger aus anarchistischer Position.
Als derzeitiger Klassenprimus unter den "neuen linken" Organisationen gibt Attac-Deutschland ein lohnendes Buchthema ab.
Der Hybrid zwischen Netzwerk und regulärer Nichtregierungsorganisation ist die Erfolgsgeschichte des aktuellen
globalisierungskritischen Schubs. Im Jahr 2000 gegründet, zählt Attac jetzt annähernd 15000 Mitglieder und ist ein Liebling
der Medien.
Jörg Bergstedt, Spiritus Rector der "Projektwerkstatt Saasen", nimmt sich in "Mythos Attac" als Herausgeber dem Stoff an.
Die Projektwerkstatt ist ein Veranstaltungszentrum in der Nähe von Giessen, in dem "kreativ und widerständig" ökologische
und anarchistische Projekt durchgeführt werden.
Heftige Kontroversen löste dabei ein Vorhaben Bergstedts aus, mit dem bundesdeutschen Verfassungsschutz zusammenzuarbeiten.
Bergstedt war der Meinung, bei Kontaktaufnahmen des Geheimdienstes diesen zu unterminieren, indem man haarklein seine
Kindheitsgeschichte darlegt. Wegen dieser Idee gilt Bergstedt bei der Solidaritäts,-Antirepressionsorganisation "Rote Hilfe"
in der BRD als Unperson. Die Rote Hilfe ruft zur konsequenten Aussageverweigerung gegenüber allen Staatsorganen auf.
Zu Bergstedts Buch "Mythos Attac" schreibt der Verlag:
"Mit dem Buch liegt erstmals eine kritische Analyse der Gründe für den Erfolg der Organisation, ihrer Ziele und Inhalte
sowie ihrer Struktur vor." Das weckt grosse Erwartungen. Schliesslich ist Attac in der Linken mindestens so umstritten
wie das Netzwerk erfolgreich ist. Seine Konzepte eines "lieben" Kapitalismus' hinter revoluzzernden Parolen, eine einseitige
Medienorientierung, die Anbiederung an Institutionen der Staatsgesellschaft und mangelnde Kontrolle der Führung durch die
Mitglieder stehen schon lange in der Kritik.
Das alles fundiert zu untersuchen, könnte die 208 Seiten von "Mythos Attac" leicht füllen. Leider ist das aber nicht der Fall.
Zwar behandelt Hauptautor Bergstedt in einigen Kapiteln das Verhältnis von Attac zu den Medien, die politische Argumentation
der Organisation und das Organisationsmodell, aber zu einer fundierten Analyse kommt Bergstedt nicht. Er benennt und beklagt
lediglich die Probleme und wiederholt sich endlos darin. Bergstedt konkretisiert seine Kritik nicht, etwa durch gründlich
untersuchte Beispiele, und er formuliert auch keine Begriffe für das Wesen der aufgeworfenen Probleme.
Den medialen Erfolg von Attac hält Jörg Bergstedt für das gezielte Machwerk einer Medienmacherclique im Umfeld der
Organisation, um den radikalen Protest zu überdecken: "Ein Teil von ihnen (den Medien, AdV) ist von Attac als Organisation
nicht zu trennen, sondern war von Beginn an wesentliches Rückgrat von Attac. (...) Sie hofften, über Attac die Wirkung
politischer Aktionen steuern und fokussieren zu können", schreibt er. So wird ein beinahe verschwörungstheoretisches
Konglomerat gebaut, anstatt das zu untersuchen, was Attac wirklich ist: für die Produzenten der Medienöffentlichkeit durch
professionelle Pressearbeit wahrnehmbar und verwertbar. Und genau daran fehlt es den von Bergstedt mit der Projektwerkstatt
protegierten anarchistischen Ökogruppen, die vielfach zu klein oder zu unfähig für gute Pressearbeit sind. Nicht an allem,
was schlecht läuft, ist die Vereinnahmungsstrategie von Attac schuld.
"Mythos Attac" klärt weder, wie sich politische Inhalte via Medien in die Öffentlichkeit einklinken, noch welcher Gehalt
in einer derart konstruierten Plattform liegt, noch was Alternativen zum Vermitteln politischer antagonistischer Inhalte
erfordern. Bergstedt schrammt an allen spannenden Fragen, die Attac im Verhältnis von Politik, Medien und Öffentlichkeit
aufwirft, vorbei. Er wiederholt diesen Fehler auch bei den anderen Themen des Buches.
Ein Wissensgewinn über das Funktionieren des Medienphänomens Attac bleibt dadurch aus. Übrig bleibt öko-anarchistischer Neid
auf den Erfolg eines integrativen Projektes. Das Buch misst sich so im mangelnden Tiefgang seiner Kritik mit der
reformistischen Inhaltsleere von Attac. Vielleicht hat ja jeder die Kritiker, die er verdient.

Dazu meine Gegendarstellung:
Zum Artikel "Jeder hat die Kritiker, die er verdient" in "vorwärts, 5.11.2004" von Matthias Pfeiffer.


Matthias Pfeiffer nutzt im Vorwärts vom 5.11.2004 eine Rezension des Buches "Mythos Attac" zu einer persönliches Attacke
auf mich als Autor. Das ist nun nichts Ungewöhnliches innerhalb politischer Bewegungen, wo Ausgrenzung und Dominanzkämpfe
an der Tagesordnung sind. Selbstverständlich ist eine Kritik am Buch "Mythos Attac" zulässig, wenn auch der Text von Matthias
Pfeiffer erstaunlich wenig konkrete Aussagen enthält, sondern mehr allgemeine Angriffe. Entlarvend ist jedoch der dritte Absatz. In diesem greift Pfeiffer mich persönlich an - und zwar bei einem Thema, das mit dem Buch nichts zu tun hat. Zudem ist jeder Satz dieses Absatz schlicht eine Lüge. Quellenangaben unterlässt Pfeiffer denn auch - er hat keine!
Zur Sache:
Die Aussage, ich hätte mit dem bundesdeutschen Verfassungsschutz zusammengearbeitet oder würde solche Verhalten für richtig halten, ist frei erfunden. Das Gegenteil ist der Fall und auch z.B. im Internet deutlich beschrieben. Richtig ist, dass ist den totalen Nichtkontakt mit dem Verfassungsschutz für falsch halte, sondern dafür plädiere, Strategien für Aktionen GEGEN den VS zu entwickeln. Ich halte das bisherige ausschließlich defensive Taktieren politischer Gruppen für falsch.
Die Aussage, ich würde es für sinnvoll halten, dem Verfassungsschutz Angaben aus der eigenen Kindheit zu machen, ist frei erfunden. Das Gegenteil auch hier der Fall.
Die Aussage, ich sei in politischen Gruppen im Repressionsschutzbereich zur Unperson erklärt, ist frei erfunden. Vielmehr arbeite ich an vielen Projekten und in vielen Städten auch mit Gruppen der Roten Hilfe zusammen, u.a. in der Organisierung von Veranstaltungen, Seminaren sowie Aktionen gegen Repression. Tatsächlich haben Teile der Führungsstrukturen der Roten Hilfe AkteurInnen der Projektwerkstatt in der Vergangenheit mehrfach ausgegrenzt. Hier geht es um unterschiedliche Meinungen in den Strukturen politischer Organisierung. In der Projektwerkstatt werden Hierarchien und Dominanzgehabe grundsätzlich abgelehnt, was auf die Kritik verschiedener Führungskader politischer Gruppen stößt.
Die Aussage, die Rote Hilfe rufe zur Aussageverweigerung gegenüber allen Staatsorganen auf, ist falsch. Tatsächlich ist das die Position nur weniger politischer Gruppen, u.a. der Projektwerkstatt. Rote-Hilfe-FunktionärInnen wie viele andere linke Führungspersonen auch sprechen sind immer wie der für die Anmeldung von Demonstrationen mitsamt Kooperationsgesprächen mit der Polizei im Vorfeld, für Gespräche mit städtischen Kontrollbehörden hinsichtlich sogenannter "autonomer Zentren" in städtischen Liegenschaften usw. aus. AkteurInnen aus der Projektwerkstatt haben Rote-Hilfe-FunktionärInnen sowie viele andere Führungskader politischer Gruppen auch wegen dieser Kooperationsbereitschaft mit Staats- und sogar Repressionsorganen in Verbindung mit der nach außen plakativ geäußerten Ablehnung, die folglich eine Lüge ist, kritisiert. Die Positionen und Ideen von AkteurInnen aus der Projektwerkstatt einschließlich meiner eigenen sind im Internet unter www.projektwerkstatt.de/antirepression nachzulesen. Der Autor Matthias Pfeiffer und die Zeitung "Vorwärts" haben sich die Rezension des Buches "Mythos Attac" billigerweise benutzt, um einen internen Konflikt mit unfairen Mitteln zu führen.
Jörg Bergstedt, 9.11.2004



 

Negativ-Rezensionen

Es hat zwei derbe Negativ-Rezensionen gegeben. Beide sind (so ja unser Stil immer) auch auf der Attac-Buch-Internetseite veröffentlicht.
Die eine kam von Christian Stock, der beim iz3w und beim Buko aktiv ist.Dass der die Projektwerkstatt haßt, ist bekannt.
Warum, darauf finde ich seit Jahren keine Antwort. Aber es ist nicht das erste Mal, dass er die iz3w-Blätter für eine Attacke
nutzt. Immerhin ist es klar eine Buchkritik, was mensch von der anderen Rezension nicht sagen kann. Die erschien im Schweizer Vorwärts, einer linken Zeitung in der deutschsprachigen Schweiz. Autor ist ein Matthias Pfeiffer, von dem ich nichts weiteres
weiß außer dass er auch in der Jungen Welt schreibt. Der hat ziemlich am Anfang erstmal gemeint, klarmachen zu müssen,
dass der Autor des Buches mit dem Verfassungsschutz zusammenarbeitet, die Meinung vertritt, man müsse dem VS immer gleich alles
erzählen und deshalb bei allen Antirep-Gruppen eine Unperson ist. Ich habe eine Gegendarstellung verfaßt. Darauf hin hat der
Redakteur angerufen, sich für den Vorgang entschuldigt und vorgeschlagen, statt der Gegendarstellung eine Entschuldigung zu
veröffentlichen folgenden Wortlautes:
“Mythos Attac“
Im vorwärts 45 haben wir eine Besprechung des Buches „Mythos Attac“ veröffentlicht, deren zweiter Abschnitt eine
Gegendarstellung des Herausgebers ausgelöst hat.
Jörg Bergstedt verwahrt sich darin gegen die von Autor Matthias Pfeiffer erhobene Behauptung, er habe sich für eine
Zusammenarbeit mit dem Verfassungsschutz ausgesprochen. „Richtig ist, dass ich den totalen Nichtkontakt mit dem
Verfassungsschutz für falsch halte,sondern dafür plädiere,Strategien für Aktionen gegen den Verfassungsschutz zu entwickeln.“,
schreibt Bergstedt dazu.
Auch die restlichen in diesem Abschnitt gemachten Behauptungen seien unwahr, so auch, dass er von politischen Gruppen im
Repressionsbereich zur Unperson erklärt worden sei. Die Positionen zur Antirepressionsarbeit der Projektwerkstatt Saasen,
in der Bergstedt arbeitet, sind im Internet nachzulesen.
Der vorwärts entschuldigt sich dafür, den entsprechenden Abschnitt vor Abdruck nicht aufmerksam genug redigiert zu haben.
Von unserer Seite bestand keine Absicht, Jörg Bergstedt auf diese Weise zu kritisieren, waren uns doch sowohl er als auch die
Projektwerkstatt nicht bekannt. Auf Wunsch verweisen wir ebenfalls auf die Internetseite, auf der Bergstedts Positionen
zu Attac zu finden sind – dem Thema des Buches „Mythos Attac“.

www.projektwerkstatt.de/antirepression,
www.attac-online.de.vu

Interessant ist aber noch die weitere Info,dass Matthias Pfeiffer sich von sich aus aufgedrängt hat,die Rezension zu schreiben
und einen Erstentwurf vorgelegt hatte, in dem die Passage nicht drin war. Den endgültigen Text hatte die Redaktion dann nicht
mehr gelesen - so sagte sie jedenfalls. Nicht auszuschließen ist, dass Matthias Pfeiffer in ähnlicher Weise auch andere
angesprochen hat, denn mit dem Vorwärts hatte er bis dahin eher nichts zu tun.




Ansonsten gibt es eine lustige Antwort des damals noch im Attac-Koordinierungskreis sitzenden Harald Klimenta zum Buch.
Er begründet, warum er den Antrag aus der Stuttgarter Gruppe doof findet,unter anderem so:
"schon im ersten satz wird auf ein buch bezug genommen, das von einem menschen geschrieben wird,
der attac ans bein pinkeln will und nichts anderes."
lieber harald,
hr. bergstedt will euch sicher nicht ans bein pinkeln,dass kann frau/man auch im buch nachlesen,sofern frau/man lesen kann.
Ich hingegen will euch verkackten attac-deutschkapitalist-reformisten ganz sicher ans bein pissen!
m@g udog

Ein spannendes Zitat gibts auch zum Weltsozialforum 2001 in Porto Alegre:
Kanalisierung positiv
Auszug aus Ruth Jung, "Attac - Sand im Getriebe", Nautilus 2002 (S. 39)
... der Begriff "Kanalisierung" ist, wie der Zusammenhang im Buch zeigt, positiv gemeint
"Eine weitere Form der Kanalisierung dieser sich weltweit vergrößernden Unruhe
war mit der Einrichtung des Ersten Weltsozialforums von Porto
Alegre im Januar 2001 geschaffen worden."




eine andere organisation ist möglich

von peter nowak

die globalisierungskritische organisation attac wurde noch vor wenigen jahren
als hoffnungsträger am horizont politischer bewegungen gefeiert. doch mehr als
vier jahre nach ihrer gründung hat sie viel von ihrem jugendlichen schwung
verloren. mitglieder der ersten stunde befinden sich bereits auf dem rückzug.
attac-sprecher peter wahl sprach gar auf einer veranstaltung von der
neugründung der organisation.

für den forscher jörg bergstedt sind die stagnationstendenzen bei attac im
wesentlichen hausgemacht. er hat kürzlich mit mythos attac ein buch vorgelegt,
dass die gründung und noch recht kurze geschichte der organisation detailliert
schildert. der autor greift dabei auf bisher unausgewertetes quellenmaterial
zurück. schließlich kann bergstedt als mitbegründer der jugendumweltbewegung
in den frühen 90er jahren des vorigen jahrhunderts als insider gelten. viele
seiner einstigen mitstreiter gehören zu den attac-mitbegründern. doch so viel
biographische nähe hat auch ihre tücken. so hat man stellenweise beim lesen
den eindruck, dass bergstedt auch manchen persönlichen streit mit seinen
einstigen freunden und mitstreitern, die er wahlweise als "jungmanagerinnen",
"funktionärinnen", "clique" oder "bewegungseliten" tituliert, in dem buch
austrägt.

vor allem im kapitel "der filz um den verdener attac-kern" hätte man sich
vom autor etwas mehr persönliche distanz und sachlichkeit gewünscht.

im kapitel über die rolle der medien in der gründungsphase von attac schreibt
bergstedt: "für die medien war attac die chance, politik zu machen. sie ließen
attac die regierungspolitik kommentieren." es wird jedoch nicht so recht klar,
was bergstedt daran auszusetzen hat, wenn neue politische akteure in den
medien die möglichkeit bekommen, ihre positionen zur diskussion zu stellen.

das buch gewinnt dort an überzeugungskraft, wo bergstedt von der kritik an
einzelnen akteuren zur strukturanalyse kommt. soziologisch ordnet er attac
auf der führungsebene als nichtregierungsorganisation ein, die sich vor allem
als lobbyistin für die anliegen der globalisierungskritiker begreift.
an der basis hingegen dominiert noch der typus des politaktivisten, der lieber
ein gipfeltreffen blockiert als kritisch begleitet. mit jugendlich-spritzigen
aktionen sei es vielen attac-lokalgruppen in den vergangenen jahren gelungen,
vor allem junge leute für ihre ziele zu begeistern.
hier sieht bergstedt einen hoffnungsschimmer über attac hinaus.
"am wichtigsten und in politischer bewegung selten sind die vielfalt, der
konkrete projektbezug und das hohe engagement vieler attac-basisgruppen".
sie müssten nur abschied von zentralistischen organisationsmodellen, labelpolitik,
bewegungspopulismus und verkürzten wirtschaftsanalysen nehmen, die bergstedt im
buch sehr ausführlich kritisiert hat.

allerdings muss man sich fragen, ob die lesart von den "bösen", weil
machtversessenen funktionären und der "guten", weil engagierten basis nicht
selber teil eines mythos ist. hier überträgt bergstedt das muster von linken
kritikern der sozialdemokratie und der gewerkschaften auf attac. er fragt
sich aber nicht, ob die von ihm aufzeigte mixtur aus lobbyarbeit und spritzigen
aktionen zum erfolgsgeheimnis nicht nur von attac sondern der
globalisierungskritischen bewegung insgesamt seit den protesten von seattle
1999 zählt.
damals haben gestandene vertreter von nichtregierungsorganisationen (ngo) betont,
wie wichtig die blockadeaktionen des breiten protestbündnisses für ihr anliegen waren.
eine solche arbeitsteilung konnte auch später während vieler großer gipfeltreffen in
aller welt beobachtet werden.

mit dem etwas verfremdeten attac-motto "eine andere organisation ist möglich",
schließt bergstedt bei seiner vorherigen fundamentalkritik mit einem
erstaunlich optimistischen resümee. damit hat er vielleicht eine gute basis
für eine rege diskussion seiner thesen auch bei attac selber geschaffen.

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copyright © frankfurter rundschau online 2005
dokument erstellt am 07.03.2005 um 16:56:04 uhr
erscheinungsdatum 08.03.2005




   Rezensionen - Jörg Bergstedt: Mythos Attac. Hintergründe, Hoffnungen, Handlungsmöglichkeiten - Rezensent Dipl.-Päd. Dr. Jos Schnurer

   berichte zu kritischen attac-veranstaltungen von attacke!? - 14.08.2004 12:09

 

 

 

 

 

                 
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